Navigationshilfe

Hauptnavigation

Seiteninhalt

 

Pressemitteilung

VI. Walter-Hallstein-Kolloquium: „Die Europäische Identität“

 

Wissenschaftliches Kolloquium des Wilhelm Merton-Zentrums für Europäische Integration und Internationale Wirtschaftsordnung am 2.11.2006, J. W. Goethe – Universität Frankfurt am Main.

 

Vielfalt als Leitmotiv einer Europäischen Identität

 

Walter-Hallstein-Preis 2006 geht an die lettische Staatspräsidentin Vaira Vike-Freiberga

 

Gerade in der Verschiedenheit der Europäer liegt das Potenzial einer gemeinsamen Identität. Diese These der Staatspräsidentin der Republik Lettland Prof. Dr. Vaira Vike-Freiberga durchzog als roter Faden das interdisziplinäre Kolloquium des Wilhelm Merton-Zentrums über die Europäische Identität. Anlass war die Auszeichnung der Staatspräsidentin mit dem Walter-Hallstein-Preis für ihre Verdienste um die europäische Einigung. Der mit 20.000 Euro dotierte Walter-Hallstein-Preis wird von der Dresdner Bank gestiftet und gemeinsam mit der Johann Wolfgang Goethe-Universität und der Stadt Frankfurt am Main verliehen.

Auf dem wissenschaftlichen Kolloquium hielt die Preisträgerin in ihrer doppelten Rolle als Staatspräsidentin und Professorin für Psychologie einen vielbeachteten Vortrag zur Frage, was die Europäische Union im Innersten zusammenhält. Die vielfältigen Identitäten gelte es in einer freiheitlichen und demokratischen Europäischen Union anzuerkennen. Zudem lehre die Psychologie, dass ein klares Verhältnis zur eigenen Vergangenheit Grundlage für die Identität eines Menschen wie auch jeder sozialen Gemeinschaft sei.

Die Osteuropaspezialistin PD Dr. Ulrike von Hirschhausen (Hamburg) zeigte diesbezüglich auf, wie die deutsche und sowjetischen Besetzungen die lettische nationale Identität als Opfervolk geprägt haben. Zunehmend trete neben das traditionelle lettische Selbstverständnis als ethnisch definierter Volksnation aber eine Europäische Identität als attraktive Option von Vielfalt und Toleranz.

Aus soziologischem Blickwinkel wies Prof. Dr. Maurizio Bach (Passau) demgegenüber die Hauptrolle der Gemeinschaftsbildung weiterhin den Nationalstaaten zu. Ihre demokratische und wohlfahrtstaatliche Bedeutung bestehe fort. Die Einzelnen handelten daher rational, wenn sie sich vor allem als Deutsche oder Letten, nicht aber als europäische Bürger fühlten. Wie stark eine europäische Identität im Sinne „sozialer Schließung“ auch ausgrenzen könne, zeige die Debatte über einen Beitritt der Türkei. Die Europäische Union verfüge zwar über viele Symbole der Staatlichkeit, der Weg zu Europa als einer „imagined community“ sei aber noch weit.

Eben als eine solche gedankliche Konstruktion entlarvte der Ökonom PD Dr. Joachim Zweynert (Hamburg) die These eines „europäischen Wirtschafts- und Sozialmodells“. In der Realität ließen sich vielmehr kontinentaleuropäische, skandinavische, angelsächsische und mediterrane Versuche unterscheiden, durch Politik sozialen Zusammenhalt zu erreichen. Zwar könne sich in der Zukunft ein europäisches Sozialmodell spontan herausbilden. Heute sollten die Europäer aber besser von ihren vielfältigen Methoden lernen.

Uneins haben sich die französischen und niederländischen Europäer auch gegenüber dem Projekt eines Verfassungsvertrags gezeigt. Der Historiker Prof. Dr. Wilfried Loth (Essen) betonte jedoch, dass Verfassungen durchaus ein europäisches Bewusstein fördern könnten, indem sie Legitimität durch Verfahren schaffen. Notwendig sei eine weitere Parlamentarisierung der Europäischen Union, die sich zudem an einem europäischen „Verfassungspatriotismus“ mit universellen Werten ausrichten müsse.

Im Ergebnis unterstrich die Tagung des Wilhelm Merton-Zentrums nicht nur die Vielfalt der regionalen, nationalen wie europäischen Zugehörigkeiten, sondern gerade auch das Meinungsspektrum hinsichtlich des Inhalts einer Europäischen Identität. Die Beiträge erscheinen als Tagungsband in der Schriftenreihe (siehe: www.merton-zentrum.uni-frankfurt.de).

 

geändert am 03. November 2007  E-Mail: Webmasterrudak@uni-frankfurt.de

|

| Zur Navigationshilfe
empty

Seitenabschlussleiste


Druckversion: 03. November 2007, 18:05
http://www.uni-frankfurt.de/org/we/merton/Start/Walter_Hallstein_Symposium/Pressemitteilung_WHK_20061.html